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wJB: Oberliga-Quali im ersten Anlauf geschafftVon guten Pferden und Luftabständen

„Ein gutes Pferd springt immer nur so hoch, wie es muss.“ Diese Redewendung wird landläufig häufig verwendet, um auszudrücken, dass jemand eine Aufgabe erfüllt oder eine Situation gemeistert hat, ohne dabei an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gegangen zu sein. Im Sinne dieser Redewendung ist unsere weibliche B-Jugendmannschaft ein gutes Pferd. Denn: Die Stangen der Hindernisse, die unseren Bibermädels am Sonnabend in Owschlag im Rahmen der zweiten Qualifikationsrunde zur Oberliga Schleswig-Holstein in den Parcours gestellt wurden, hätte man auch höher und/oder eleganter überspringen können. Das Ergebnis hätte sich aber nicht von dem tatsächlich erreichten unterschieden: Als einziges der drei beteiligten Teams haben die Biberhandballerinnen nämlich keine Stange abgeworfen, als einziges haben sie einen fehlerfreien Ritt hingelegt. Ein gutes Pferd hätte dafür einen Siegerkranz oder eine Extraportion Hafer erhalten; Greti, Lilli, Zeren & Co. durften stattdessen die Qualifikation für die Oberliga bejubeln.


Auch wenn man natürlich ein Springreiten und Handball kaum vergleichen kann: Die Redewendung aus dem Pferdesport beschreibt mit wenigen Worten vortrefflich, wie sich die Schützlinge der (Erfolgs-)Trainer Torsten Goy und Carsten Mahnecke am Sonnabend in den beiden Relegationsspielen gegen die HSG Fockbek/Nübbel/Alt Duvenstedt und die SG Bordesholm/Brügge präsentiert haben: In guter Form, aber nicht überragend, eher solide und ausreichend auf das Ziel fokussiert. Nicht an der Leistungsgrenze, dafür aber immer wieder mit der Andeutung, dass mehr möglich ist. Und dass man die Leistung – quasi auf Knopfdruck ‒ steigern kann, wenn dies erforderlich ist.


Freuen durften sich die Bibermädels über einen 21:19-Sieg (Halbzeit 10:10) gegen die Gastgeberinnen von der HSG Fockbek/Nübbel/Alt Duvenstedt (kurz: HSG FONA) und über einen 20:18-Sieg (Halbzeit 10:9) gegen die SG Bordesholm/Brügge. Auch wenn die Endergebnisse und die Halbzeitstände vermuten lassen, dass beide Spiele in etwa die gleichen Spielverläufe aufwiesen, war dies tatsächlich nicht der Fall. Gegen FONA führten die Biberhandballerinnen fast während des gesamten Spiels; stets aber nur mit ein oder zwei Toren Vorsprung. Zwar konnten die Gastgeberinnen mehrere Male gleichziehen, zuletzt beim 16:16 in der 32. Minute; in Führung lagen sie aber lediglich kurz beim 4:3 in der 6. und beim 12:11 in der 23. Minute. Sichergestellt wurde der Geesthachter Sieg erst in den letzten acht Minuten, als zunächst erstmals in der zweiten Hälfte ein 2-Tore-Vorsprung und 100 Sekunden vor Schluss erstmals im gesamten Spiel ein 3-Tore-Vorsprung gelang.


Anders dagegen der Verlauf im Spiel gegen die SG Bordesholm/Brügge. Die Handballerinnen aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde führten sowohl Mitte der ersten Hälfte als auch zu Beginn der zweiten Hälfte über längere Phasen: Beim 7:9 in der 16. Minute und beim 10:12 in der 23. Minute – beide Zwischenstände aus Geesthachter Sicht – sogar mit jeweils zwei Toren. Der ‚Gamechanger‘ waren eine Serie bester Paraden von Goalie Isabel sowie ein gleichzeitiger 7:1-Lauf zwischen der 24. und der 35. Minute. Die daraus resultierende Vier-Tore-Führung (17:13 für unsere Mädels) war für die SG nicht mehr einholbar.


Keine Frage aber: Greti, Lilli, Zeren & Co. waren in Owschlag die beste Mannschaft; die Qualifikation für die Oberliga ist mehr als verdient. Das Team präsentierte sich gut vorbereitet, sowohl athletisch und konditionell als auch spielerisch. Da haben Torsten und Carsten perfekte Arbeit geleistet, vor allem wenn man bedenkt, wieviel Zeit zwischen dem letzten Saisonspiel und dem ersten Qualispiel verstrichen ist. Die Bibersieben zeigte sich in der Abwehr am kompromisslosesten und im Angriff am variabelsten. Keine andere Mannschaft hat so viele Treffer über die Außenpositionen erzielt (Lilli, Lulu, Emmi!), kein Team verzeichnete so viele spektakuläre Durchbrüche (Greti, Zeren, Enya!), kein Team hat nach den Auslösehandlungen so viele richtige Entscheidungen getroffen wie das Biberteam. Und kein anderes Team verzeichnete in den zwei Spielen so viele verschiedene Torschützen. Auf Geesthachter Seite gab es jeweils sieben Torschützen; bei den Gegnern dagegen nur jeweils fünf.


Nicht ganz so zur Geltung, wie noch in der ersten Runde in Kronshagen, kamen unsere Kreisläufer. Besonders im Spiel gegen FONA, aber auch teilweise im Spiel gegen Bordesholm/Brügge erfreuten sie sich einer engen Bewachung, sodass nur wenige Kreisanspiele möglich waren. Offensichtlich hatten sich die gegnerischen Trainer entsprechende Tipps aus Kronshagen eingeholt. Genutzt hat es ihnen jedoch nichts: Die durch die enge Bewachung entstandenen Lücken nutzte unsere B-Jugend zu den Durchbrüchen und zu den vermehrten Anspielen auf die Außenpositionen.


Dass sich die Bibermädels in beiden Spielen nicht richtig absetzen konnten und dass der Eindruck vom guten Pferd entstand, lag vor allem an einem: Der hohen Fehleranfälligkeit. In vielen Angriffen kommt es zu keinem Torabschluss, weil der Ball durch Fehlpässe, technische Fehler, Übertritte, usw. schon vorher verloren geht. In der ersten Halbzeit des Spiels gegen die SG Bordesholm/Brügge haben wir mitgezählt: Von 26 Angriffen, die das VfL-Team in den 20 Minuten startete, führten nur zehn zu einem Tor. Sechs endeten vorzeitig mit einem Fehlpass oder einem technischen Fehler, dreimal wurde übergetreten. Zweimal klatschte der Ball an Pfosten und Latte, einmal verfehlte der Wurf das Tor. Viermal konnte die gegnerische Torhüterin die Würfe abwehren, darunter war jedoch nur eine spektakuläre Parade. Und noch ein anderes Phänomen trug zum Eindruck vom guten Pferd bei. Nämlich: Dass die Mannschaft die Fehlerzahl fast schlagartig minimieren kann, wenn sie ein Zwischenziel, z.B. einen ausgeglichenen Halbzeitstand, erreichen will oder wenn sie einen Zwischenspurt einlegen muss, um einen Rückstand aufzuholen. Oder aber, wenn sie - wie im Spiel gegen FONA - in der Schlussphase den Sieg sichern muss. Andererseits kann sie nach einem erfolgreichen Zwischenspurt den erreichten Flow nicht halten, dann schaltet sie in den Verwaltungsmodus.

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Wie dem auch sei: Die erfolgreiche Qualifikation als eines der ersten sechs Teams aus dem großen Bewerberkreis, nach nur zwei Runden, mit einer blütenweißen Weste und ohne jegliche Extrarunden ist ein Erfolg für das Trainerteam und für die Abteilung insgesamt. Es hat Spaß gemacht, die Mannschaft in den beiden Runden zu begleiten und wir dürfen uns auf die Spiele in der Oberliga freuen. Festzuhalten bleibt aber auch, wie schon nach der ersten Qualirunde gesagt: Es ist noch viel Luft nach oben vorhanden. Bis zum Saisonstart Mitte September dürften Torsten und Carsten deshalb kräftig daran arbeiten, diesen Luftabstand zu verringern. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!! (hws, 14. Juli 2025)


 
 
 

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